Zweiter Besuch in der Ausländerbehörde

 

Seit Gründung des Migrationsrates vor einem Jahr ist einiges geschehen. Unter anderem hat der Migrationsrat angefangen, sich am Prozess der interkulturellen Öffnung der Ausländerbehörde in Berlin zu beteiligen. Sie gehört zum Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO Berlin), dem Innensenat unterstellt. Der zweite gemeinsame Workshop fand Ende Mai statt. Im letzten Herbst hatte es zusätzlich einen Besuch der Behörde in der Nöldnerstraße gegeben, über den wir sehr kritisch auch auf der Webseite des MRBB berichtet haben. Das hatte einige Aufregung ausgelöst, die beim jetzigen Treffen offen dargelegt wurde.

Der Name Friedrich-Krause-Ufer ist vermutlich für jeden Ausländer ein Begriff. Ich erinnere mich sehr ungern an meine eigenen Besuche dort, sie wurde von uns allen nur «Ausländerpolizei» genannt. Diesmal aber war es ganz anders. Weil der JKV Mitglied im Migrationsrat ist, waren auch wir zu diesem Gespräch eingeladen. Es ging dabei um das Vorstellen der Ergebnisse des ersten Workshops, um Schritte zur Umsetzung und weitere Aktivitäten in diesem Jahr und natürlich um den Meinungsaustausch.

Die Organisationsberaterinnen im Behörden-Prozess der interkulturellen Öffnung, Anita Spenner-Güç und Gudrun Ude, moderierten gekonnt den Nachmittag. Beim ersten Workshop war die migrantische Sicht vorgetragen worden, und die Behördenmitarbeiter hatten vor allem zugehört. Jetzt sagten sie, es habe sie erschüttert, dass das Amt von so vielen mit Angst besucht werde. Seither gab es Schulungen und viele Gespräche, um verstehen zu können, woher diese Furcht kommt und wie und warum Mitglieder verschiedener ethnischer Communities diese Behörde als etwas so Unangenehmes wahrnehmen. Auch die Leiterin der Ausländerbehörde, Claudia Langeheine, war von Anfang bis Ende anwesend, ebenso die Referatsleiter für Grundsatzfragen bzw. Zuwanderung und Mitarbeiter. Die Ergebnisse werden durch sie weitergegeben.

Die leitenden Mitarbeiter referierten kurz und legten dar, wie im Haus die Anregungen des ersten Workshops umgesetzt wurden. Das betrifft die Organisation und die Arbeitsabläufe insgesamt, sichtbare Hinweisschilder in mehreren Sprachen, verständliche Flyer, ein Bestellsystem und kürzere Wartezeiten. Alles trotz Personalmangel, denn den hierfür nötigen Einstellungskorridor gibt es noch nicht. Eine bevorzugte Behandlung erhalten – sofern irgendwie möglich – Behinderte, Schwangere, Mütter mit Kleinkindern, Ältere. Eine Aufsichtsperson vom Wachschutz hilft den Wartenden im Inforaum. Für Kinder wurden zwei Spielecken eingerichtet, für die es keine Mittel gibt. Dafür wird dringend Spielzeug gesucht, da das von den Mitarbeitern gespendete schnell verschleißt oder verschwindet. Im Zentrum des Gesprächs stand aber die Frage, wie die Verwaltung noch kundenfreundlicher arbeiten könne. Deutlich wurde, dass Wissenserwerb zu Respekt führt, und Mitarbeiter damit für Fremdes sensibilisiert und konfliktfähiger werden.

Aus unserer Gruppe kam der Hinweis auf die noch ungelösten Probleme in der Nöldnerstraße und die Bereitschaftserklärung, der Behörde bei Sprachproblemen zu helfen. So wurde der türkische Text eines Flyers sofort mit Korrekturen versehen.

Alle Teilnehmer stellten sich eingangs vor. Da zeigte sich, dass der Verwaltungsmitarbeiter mit vietnamesischem Namen und vietnamesischem Familienhintergrund sich als Berliner verstand, die Türken als Kreuzberger, ich als Friedrichshainer usw. Die eigentlichen «Ausländer» waren plötzlich die Westfalen, Bayern oder Franken. Das heiterte das Gespräch sehr auf, sehr angenehm war die herzliche Atmosphäre.

Nichts war so, wie ich es vor Jahren erlebt hatte. Es wurde gelacht und gelächelt, wir aßen gemeinsam Kuchen und redeten auch sehr viel in den Pausen. Das Treffen wird im Dezember fortgesetzt. Für mich ist deutlich geworden, dass wir hier Verbündete haben, dass das Gesetz für alle die Richtschnur ist, dass die Leitung der Behörde jung und engagiert ist, dass die technische Ausstattung traurig aussieht – Telefonanlage, Computer und Software sollen aber demnächst oder irgendwann erneuert werden. Über solche Probleme wurde genauso offen gesprochen wie über die Probleme der «Kunden», wie heute die Besucher der Ausländerbehörde genannt werden.