Kritik an kolonialrassistischer Ausstellung wiegt folgenschwer

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Berlin, 1.9.2009. Organisationen der Migrant/innen, Flüchtlinge, Minderheiten und Menschenrechtler/innen verurteilen den massiven Angriff auf die Geschäftsführerin der Berliner Werkstatt der Kulturen, Frau Philippa Ebéné, auf das Schärfste. Mit ihrer Entscheidung, die Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ in der Werkstatt der Kulturen in der vorgelegten Form nicht zuzulassen hat sie richtig gehandelt. So konnte die Reproduktion von Rassismus verhindert werden.

Die Ausstellung, die vorgibt, Beiträge der Menschen aus der sog. „Dritten Welt“ zur Befreiung vom Nationalsozialismus zu thematisieren, subsumiert tatsächlich alle nichtweißen Akteur/innen unter dem Begriff „Dritte Welt“ – unabhängig davon, ob sie aus Afrika, Asien, USA, Europa oder Australien kommen. So werden schwarze australische, neuseeländische oder amerikanische Soldaten zu „Drittweltländler“. Dies ist purer Kolonialrassismus.

Ziel der von Frau Ebéné gewünschten Veranstaltungsreihe war die Würdigung der nichtweißen Veteranen, die zur Befreiung Europas beitrugen und in der deutschen Geschichtsschreibung marginalisiert werden.

Die Ausstellung, die als Hommage für Befreier und Opfer abgesprochen war, entpuppte sich jedoch als unakzeptable Gleichstellung von Befreiern vom Nationalsozialismus und Kollaborateuren mit dem NS-Regime. Damit werden Befreier und Opfer entwürdigt. Dafür ist die Schuld von weißen Deutschen und Nazis im Allgemeinen relativiert. Frau Ebénés Entscheidung die Ausstellung in dieser Form nicht zuzulassen unterstützen wir ausdrücklich!

Diese Entscheidung missfällt dem Migrationsbeauftragten allerdings offenbar derart, dass er über die Köpfe von Migrant/innen-Communities und der Geschäftsführerin hinweg das kurzsichtige politische Interesse des Senats durchsetzt. Gemeinsam mit den Ausstellungsmachern und deren Geldgebern entschied der Senat die Hängung einer Kopie, der von Frau Ebéné aus guten Gründen abgelehnten Ausstellung. Damit wird die Werkstatt der Kulturen zu einer Alibiinstitution degradiert.

Wir fordern die Senatorin Frau Dr. Knake-Werner auf, sich von der paternalistischen Haltung des Migrationsbeauftragten zu distanzieren und Herrn Piening dazu aufzufordern, die Entscheidung der Geschäftsführung zu respektieren.

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