Hilfsangebote an Roma-Familien bleiben nach wie vor aus

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11.6.2009. Ab Heute sind über Hundert Roma in Berlin wieder obdachlos. Ob die Familien ihre Kinder behalten dürfen, wo sie eine Bleibe finden, ist ungewiss.

Es handelt sich um Roma aus Rumänien, die als EU-Bürger/innen vom Freizügigkeitsgesetz gebrauch machen und in den Sommermonaten in Deutschland Arbeit suchen. In Rumänien sind sie sehr schweren Bedingungen und struktureller Diskriminierung ausgesetzt, sodass es ihnen kaum möglich ist dort eine Beschäftigung zu finden.

Nachdem sie in Bethanien Schutz vor den Polizeiangriffen fanden, schlug die Senatorin Dr. Heidi Knake Werner eine Unterbringung im "Ausreiselager" in der Motardstraße vor. Auch wenn hier der Zusammenhalt der Familien nicht gewährt wurde und die schlechten Bedingungen des Lagers allgemein bekannt sind, nahmen viele Roma diese in Kauf und wurden dort beherbergt.

Heute müssten die Familien das Lager wieder verlassen.

Die Situation der Roma hat sich nach wie vor nicht geändert. Trotz Runder Tisch mit den entsprechenden Behörden und Organisationen hat Berlin für sie keine Lösung.

Das ist das Ergebnis der sozialen Ablehnung, wirtschaftlich-beruflicher Benachteiligung sowie kultureller und politischer Unterdrückung, die von der Teilhabe und Mitwirkung an der Mehrheitsgesellschaft ausgeht. So definiert der Landesverband Deutscher Sinti und Roma Berlin Brandenburg e.V. das Leben "in der Minderheit" von Sinti und Roma in Deutschland.

Auch wenn der Senat längerfristig die Einrichtung einer Beratungsstelle plant, kann sie die kurzfristig benötigte humanitäre Hilfe nicht ersetzen.

"Diese Familien sind unverschuldet in diese menschenunwürdige Situation geraten", so Pavao Hudik, Vorstandsmitglied des Migrationsrates Berlin-Brandenburg. "Anstatt, dass die Familien noch zusätzlich verunsichert werden, indem Ihnen gedroht wird, dass man ihnen die Kinder wegnimmt, sollten für sie angemessene Lebensbedingungen im Heimatland geschaffen werden. Gemeint sind z.B. Partizipationsformen an der Entwicklungshilfe.

Der Migrationsrat Berlin Brandenburg fordert eine feste Wohnmöglichkeit (eine Adresse), soziale und medizinische Versorgung und den Schul- und Kindergartenbesuch der Kinder sowie eine finanzielle Unterstützung im Rahmen der Hilfe für besondere Lebenslagen.

Ansprechpartner:
Pavao Hudik