Konsequent verdrängt?! – Aids-Prävention für MigrantInnen als gesamtgesellschaft­liches Problem und als Herausforderung für die Politik

 

Diskussionsveranstaltung in Berlin, am 1. Dezember 2005, 13-19 Uhr, Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Straße 4, 10405 Berlin

Berlin, 20.11.2005. Menschen mit Migrationshintergrund sind seit Jahren in immer größerer Zahl von HIV-Infek­tionen betroffen. Die Ursachen sind vielfältig: MigrantInnen haben aufgrund der sprachlichen, kulturellen und sozialen Gegebenheiten schlechteren Zugang zu gesundheitlicher Versor­gung. Insofern ist HIV/Aids nur ein Beispiel für die Tatsache, dass Menschen mit Migrations­hintergrund insgesamt größeren Gesundheitsrisiken ausgesetzt sind als die Allgemeinbe­völkerung. Erschwerend kommt hinzu, dass HIV/Aids in vielen Kulturen ein Tabuthema ist.

Zum diesjährigen Welt-Aids-Tag am 1. Dezember haben Projekte aus dem Aids- und Migra­tionsbereich deshalb erstmals den Versuch unternommen, dieser Entwicklung durch eine Mobilisierung und Sensibilisierung zur HIV/Aids-Thematik in den MigrantInnen-Communities entgegenzuwirken. Denn nur durch Information, Aufklärung und effektive Präventionsarbeit kann den steigenden Infektionszahlen etwas entgegengesetzt werden.

Organisationen aus dem Migrationsbereich wurden aufgefordert, dem Motto des diesjährigen Welt-Aids-Tages „Wir übernehmen Verantwortung. Für uns und andere“ zu folgen und sich mit der HIV/Aids-Thematik zu beschäftigen. Denn die Aids-Prävention in den MigrantInnen-Communities kann nur Erfolg haben, wenn diese selbst aktiv werden und ihre eigenen Ideen im Kampf gegen HIV/Aids entwickeln. Die Dachorganisationen der MigrantInnenvereine – Migrationsrat, Türkischer Bund und VIA Regionalverband – setzen mit der Durchführung der Diskussionsveranstaltung ein Zeichen dafür, dass sie die Aids-Thematik aufgreifen und ihre Interessen in die eigenen Hände nehmen wollen.

Aber auch die Einrichtungen aus dem Aids-Bereich müssen in die Pflicht genommen werden: Interkulturelle Öffnung darf nicht nur ein Schlagwort bleiben, sondern muss sich im konkreten Alltag dieser Beratungsstellen widerspiegeln.

Schließlich ist auch die Politik gefragt: Bis heute fehlt es an einer politischen Strategie, wie die Aids-Prävention in den MigrantInnen-Communities praktisch organisiert werden kann. Auch Abgeordnetenhaus und Verwaltung sollten das Thema nicht weiter konsequent ver­drängen, sondern ihren Teil der Verantwortung übernehmen und ihren Beitrag zum Kampf gegen Aids leisten.

Eine Podiumsdiskussion am 1. Dezember im Haus der Demokratie wird versuchen, diese AkteurInnen an einen Tisch zu bringen und gemeinsam Lösungsansätze zu erarbeiten. Der Integrations- und Migrationsbeauftragte des Senats, Günter Piening, hat seine Teilnahme an der Podiums­diskussion zugesagt.

Ein Vertreter vom Vorstand des Migrationsrats Berlin-Brandenburg e.V. wird bei der Presse­konferenz der Berliner Aids-Hilfe e.V. zum Welt-Aids-Tag am 23.11.05 um 11.00 Uhr in der Meinekestr. 12, 10719 Berlin anwesend sein und für Nachfragen zur Verfügung stehen.

Holger Förster
VIA e.V.

Hasan Sezgin
Migrationsrat

Für Nachfragen und Kontakt (Sprecher/innen...) oder
Felix Gallé, Tel. 0179/454-40-15

VIA - Verband für interkulturelle Arbeit, Regionalverband Berlin/Brandenburg e.V.
Petersburger Straße 92
10247 Berlin
Tel. 030/29-00-71-55
Fax. 030/29-00-71-54

Downloads als pdf:

  1. Anmeldeformular zum diesjährigen Welt-Aids-Tag am 1. Dezember 2005
  2. Anschreiben
  3. Konzeption der Diskussionsveranstaltung
  4. Migrantinnen und Migranten mit HIV/Aids in Deutschland