IDAHOT* 2015

Migrant_innenselbstorganisationen rufen zur Solidarität gegen Homofeindlichkeit, Interfeindlichkeit, Transfeindlichkeit und Rassismus auf

Berlin 17.05.2015. Zum diesjährigem „International Day Against Homophobia” (IDAHO) bzw. als IDAHOT* oder IDAHI*T*(wobei das T* für trans- und das I* für intergeschlechtlich steht) ruft der Migrationsrat Berlin/Brandenburg e.V., das Projekt „MSO inklusiv!“ und die Initiative i-PÄD zur Solidarität gegen Homo-, Inter- und Transfeindlichkeit und Rassismus auf. Wir arbeiten mit dem Grundsatz, dass alle Identitäten wertvoll sind und es verdienen positiv repräsentiert zu werden!

Noch immer werden in Deutschland auf institutioneller, juristischer und struktureller Ebene LSBT*I*Q Menschen diskriminiert. Wir appellieren an die Regierung, die Pathologisierung und Stigmatisierung von Trans* und Inter*-Menschen zu beenden. Jegliche Beziehungskonstellationen, die eine rechtliche Anerkennung wünschen, sollen diese gleichberechtigt mit der heterosexuellen Ehe auf juristischer, institutioneller und staatlicher Ebene bekommen.

Heute wenden wir uns vor allem an die Menschen in unseren Communities und Vereinen, die täglich Rassismus und Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität erfahren und erheben unsere Stimme für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt! Dieser Tag steht im Zeichen unseres  Zusammenhalts gegen Mehrfachdiskriminierung und für die Sichtbarkeit von Schwarzen LSBT*I*Q[1] und LSBT*I*Q of Color[2].

Wir müssen ganz klar betonen: Dieser Tag gehört uns allen!

Wir beobachten schon seit einiger Zeit wie die Mehrheitsgesellschaft, allen voran weiße Schwulenvereine, versucht Homofeindlichkeit gegen Rassismus auszuspielen. Mit bedenklichen Demonstrationen durch unsere Stadtteile und fragwürdigen Flashmobs werden die Geschichten von LSBT*I*Q of Color und Schwarzen LSBT*I*Q immer wieder zum Schlachtfeld  der weißen queeren Szene gemacht, die die Augen vor den eigenen Rassismen verschließt. In Zeiten von nicht enden wollenden Angriffen auf Geflüchtete in diesem Land und eines rassistischen Mobs, der sich montags regelmäßig durch die Straßen unserer Städte wälzt, sind wir mehr als beunruhigt.

Wir müssen daher ganz klar betonen: Dieser Tag gehört uns allen! LSBT*I*Q of Color und Schwarze LSBT*I*Q werden nicht länger unsichtbar gemacht. Unsere Geschichten lassen sich nicht mehr instrumentalisieren, um das Bild des „homophoben Migranten“ zu bedienen. Wir fordern, dass Homofeindlichkeit, Interfeindlichkeit, Transfeindlichkeit und Sexismus als gesamtgesellschaftliche Probleme erkannt und bekämpft werden. Dazu gehört auch, dass die Mehrheitsgesellschaft sich mit den eigenen Rassismen auseinandersetzt und diese nicht totschweigt! Wir appellieren heute nochmals an die politische Elite die Augen zu öffnen und endlich zu handeln bevor noch mehr Menschen durch rassistische bzw. homofeindliche Gewalt ermordet werden.

Wir fordern, dass sich alle Menschen, vor allem auch weiße Menschen, in Bezug auf alle Diskriminierungsformen fortbilden und sich mit Gewaltprävention auseinandersetzen. Wir befürworten eine allgemeine Sensibilisierung gegenüber Gewalt, Rassismus und Diskriminierungen.

Wir sagen laut und deutlich: Alle Formen von Unterdrückung spielen zusammen, sie lassen sich nicht gegeneinander ausspielen! Wir wollen in einer solidarischen Gesellschaft leben in der wir unsere Rechte nicht ständig erkämpfen müssen! Wir fordern, dass unsere Sorgen und Ängste ernst genommen werden!

Für eine inklusive, diverse und demokratische Gesellschaft! Heute! Sofort!

 

Migrationsrat Berlin/Brandenburg e.V.

 

 


[1] Lesbisch, schwul, bisexuell Trans*, Inter*, Queer

[2] Menschen mit Rassismuserfahrungen