Einladung zum 4. Workshop der Reihe "Rassismus und Justiz"

Hiermit laden wir Sie herzlich zu unserem 4. Workshop: „Die Verdächtigen sind als Muslime bekannt“ ein.

Mit Prof. Dr. Iman Attia und Eberhard Schultz

Wann:             am 03. September von 18 - 21 Uhr
Wo:                 Migrationsrat Berlin-Brandenburg
Oranienstr. 34, HH, 2.Stock
10999 Berlin

Der Schwerpunkt unseres nächsten Workshops wird dieses Mal auf der speziellen Form des antimuslimischen Rassismus liegen.

Um in die Thematik einzuführen, wird Prof. Dr. Iman Attia die Phänomene der Islamophobie und des antimuslimischen Rassismus aus einer sozialwissenschaftlichen Perspektive beleuchten. Hier wird es unter anderem um die Fragen gehen, ob es sich bei dieser Form der Diskriminierung um eine säkulare (evtl. überzogene) Kritik an einer Religion handelt, oder ob die Berufung auf Religion der Verschleierung der Tatsache, dass Arbeitsmigrant_innen weiterhin Bürger_innenrechte aberkannt werden, dient. Haben wir es mit einer neuen Form religiös begründeter nationaler Identität zu tun oder tut sich die Gesellschaft schwer damit, in der Einwanderungsgesellschaft anzukommen?  Hat das Phänomen seit dem islamistisch begründeten Terrorismus oder/und der neuen Weltordnung zugenommen, oder wird es erst in den letzten Jahren wahrgenommen? Helfen interreligiöse Dialoge, antirassistische Workshops oder rechtliche oder politische Maßnahmen weiter? Im Vortrag sollen unterschiedliche Sichtweisen und Erklärungen vor- und zur Diskussion gestellt werden. Der Fokus liegt dabei auf der Theorie des antimuslimischen Rassismus einerseits und dem Modell der Islamophobie andererseits.

Im Anschluss hierauf soll an Hand zweier Fallbeispiele aufgezeigt werden, wie sich antimuslimischer Rassismus im Justizwesen der Bundesrepublik manifestiert. Eberhard Schultz, Rechtsanwalt und Mitglied der Liga für Menschenrechte wird aus seiner beruflichen Praxis berichten. Um die rechtlichen Dimensionen des Generalsverdachts für Muslime seit dem 11.9.2001 aufzuzeigen wird ein Fall des Sorgerechtsentzugs auf Grund des „Terrorverdachts“ herangezogen. In einem zweiten Fallbeispiel soll es um das strafrechtliche Ermittlungsverfahren gegen Dr. Sarrazin wegen der antimuslimischen rassistischen Äußerungen in seinem 2010 in der DVA erschienenen Buch Deutschland schafft sich ab gehen, um weitere mögliche Handlungsspielräume und Perspektiven in der antirassistischen Arbeit darzustellen und/oder zu eröffnen.

Prof. Dr. Iman Attia ist Professorin für Diversity Studies/Rassismus und Migration an der Alica Salomon Hochschule Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Orientalismus und antimuslimischer Kulturrassismus sowie historisch-politische Bildung. In ihrer Tätigkeit als Dozentin liegt ihr Fokus unter anderem auf Theorien und Empirie zu Rassismus und Migration, Interdependenzen machtförmiger Differenzierungen und Diskriminierung, sowie Migration und Flucht.
2009 erschien im Transcript Verlag  ihre Monographie Die "westliche Kultur" und ihr Anderes. Zur Dekonstruktion von Orientalismus und antimuslimischem Rassismus.

Eberhard Schultz ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkten Strafrecht und Menschenrechte.
Er ist außerdem Gründer und Vorstandsvorsitzender der Eberhard-Schultz-Stiftung für soziale Menschenrechte und Partizipation, Berlin sowie Vorstandsmitglied der Internationalen Liga für Menschenrechte. Neben seiner Tätigkeit als Anwalt, ist er ferner als Referent und Schriftsteller aktiv.

Einladung als PDF: