Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt ist ohne MSO nicht möglich

Berlin, 18.02.2013: Homophobie, Transphobie und Sexismus werden in deutschen Medien und der deutschen Mehrheitspolitik überproportional häufig im Zusammenhang mit Migrant_innen thematisiert, obwohl fehlende Inklusion und fehlende Repräsentation sexueller und geschlechtlicher Vielfalt ein gesamtgesellschaftliches Problem in Deutschland darstellt.

"Die Vorstellung, dass Migrant_innen(selbst)organisationen MSO sich nur um „Migrationsthemen“ kümmern, verfehlt die tatsächliche Komplexität ihrer Arbeitsinhalte und verkennt die Kompetenzen der MSO." so Koray Yılmaz-Günay vom Vorstand des Migrationsrats Berlin Brandenburg.

Das MSOs ein eigenständiges Interesse an der Einbeziehung von LSBTI Thematiken in ihrer Arbeit haben, zeigt eine vom Migrationsrat durchgeführte Umfrage unter den MSO in Berlin.

Danach glauben 11 von 15 Befragten, dass die Themen sexuelle und geschlechtliche Vielfalt eine wichtige bis sehr wichtige Rolle in ihrer Arbeit spielen.

Diese Zahlen decken sich mit den Erfahrungen von GLADT und LesMigraS, die seit über 10 Jahren Veranstaltungen, Workshops und Kooperationen mit MSOs zu Geschlecht und Sexualität durchführen.

Saideh Saadat-Lendle, Leiterin von LesMigraS sagt dazu: „ Wir bekommen immer wieder Anfragen für Fortbildungen und Zusammenarbeit von MSO. Aktuell haben wir aber keine Ressourcen diese durchzuführen. Politischer Wille muss da sein, um diese Arbeit, die zum großen Teil ehrenamtlich durchgeführt wird, finanziell zu unterstützen. Es müssen mehr Gelder zur Verfügung stehen, um eine adäquate, effektive, und nachhaltige Unterstützung und Arbeit dazu zu leisten.“

LSBTI Migrant_innen(selbst)organisationen müssen als Schnittstellen genügend Ressourcen zur Verfügung haben um ihre Expertise an MSOs weiterreichen zu können.

"Dass sich MSOs an Organisationen wie GLADT und LesMigraS wenden ist kein Zufall. Rassismus und Homo-/Transphobie überschneiden sich und formen gemeinsam die Umstände vor denen Antidiskriminierungsarbeit geleistet werden muss" berichtet Sanchita Basu von ReachOut, der Berliner Opferberatung und Bildung gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus.

Die Erfahrung von ReachOut bestätigt, dass Rassismus nach wie vor die prominenteste Gewaltform ist. Aber auch Homo-und Transphobie bilden sich deutlich ab. Die Schnittmenge der Menschen, die eine Kombination beider Gewaltformen erleben, ist dem entsprechend groß.

Die in den letzten 20 Jahren zum Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt geförderten Berliner MSO, lassen sich an einer Hand abzählen. Die Verteilung von Projektgeldern die sich an Migrant_innen richten, muss zumindest teilweise von Migrant_innen selbst organisiert sein.

Obgleich der Druck auf MSO stetig steigt, sich mit Homophobie und Sexismus auseinander zu setzen, ist es bislang von Land und Bund versäumt worden, ihnen auch die entsprechenden Ressourcen dafür zur Verfügung zu stellen.

"MSO wollen diese Unterstützung ihrer LSBTI Besucher_innen langfristig selbständig leisten. Im Rahmen unserer Umfrage sagten 13 von 15 befragten MSO, dass sie sich vorstellen können ein eigenes Projekt durchzuführen. Sie verlangen eine entsprechende finanzielle Förderung sowie Ansprechpersonen, die eine entsprechende inhaltliche Begleitung leisten", sagt Dania Thaler, Projektverantwortliche im Migrationsrat und fügt hinzu:

„MSO, die Projekte in dem Bereich sexuelle und geschlechtliche Vielfalt durchführen möchten, brauchen eine migrantische Anlaufstelle. Dafür müssen die erforderlichen Mittel zur Verfügung gestellt werden.“

Gladt, LesMigras, ReachOut und der Migrationsrat stellen im Rahmen einer Pressekonferenz die für den 28.2.2013 geplant ist, die jüngste Umfrage* und Entwicklungen in der Antidiskriminierungsarbeit gegen Homo- und Transphobie in Migrant_innen Zusammenhängen vor.

Interessierte sind herzlich eingeladen an der Pressekonferenz teilzunehmen.

Datum: 28.2.2013Uhrzeit: 10.00 Uhr
Ort: Migrationsrat Berlin Brandenburg e. V. , Oranienstr. 34, 10999 Berlin

Ansprechpartner_in im Migrationsrat:
Dania Thaler

Oranienstr. 34,
10999 Berlin
Tel.: +49(30) 616 587 55

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ,
http://www.migrationsrat.de/

Die Vereine
GLADT e.V.

Unabhängige Selbstorganisation türkeistämmiger Lesben, Schwuler, Bisexueller, Trans*, Inter* und queerer Personen (LSBT*I*Q). Die Angebote richten sich v.a. an LSBT*I*Q of Color, Schwarze LSBT*I*Q und LSBT*I*Q mit Migrationsgeschichte Schwerpunkte: Beratung zu Coming-out, Familie, Ausländer_innen und Lebenspartnerschaftsrecht, Sucht, Gesundheit, Gewalt etc. Bietet
u.a. Workshops, Fortbildungen und Gruppen an. Engagiert auf
unterschiedlichen
Ebenen gegen Rassismus, Sexismus, Trans*- und Homophobie
und andere Diskriminierungsformen..

Kluckstraße 11 • 10785 Berlin • Tel: 030 26 55 66 33

Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
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www.gladt.de

LesMigras
LesMigraS steht für Lesbische/bisexuelle Migrant_innen und Schwarze Lesben und Trans*Menschen. Als Antigewalt- und Antidiskriminierungsbereich der Lesbenberatung Berlin engagiert sich LesMigraS mit vielseitigen Aktivitäten gegen Gewalt und Diskriminierung.

Kulmer Str. 20a, 10783 Berlin, Tel 030.21 91 50 90

Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ,
www.lesmigras.de
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ReachOut
ReachOut ist eine Beratungsstelle für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Berlin. Wir unterstützen und beraten auch Angehörige, Freunde und Freundinnen der Opfer und ZeugInnen eines Angriffs. Die Situation und die Perspektive der Opfer rassistischer, rechter und antisemitischer Gewalt stehen im Zentrum der Arbeit. ReachOut bietet antirassistische, interkulturelle Bildungsprogramme an und recherchiert rechtsextreme, rassistische und antisemitische Angriffe in Berlin und veröffentlicht dazu eine Chronik.

Oranienstraße 159, 10969 Berlin
Tel: 030/ 695 68 339,

Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ,
http://www.reachoutberlin.de/

Migrationsrat Berlin Brandenburg
Der Migrationsrat Berlin Brandenburg ist eine Dachorganisation von Migrant_innenselbstorganisationen, mit derzeit 79 Mitgliedern. Der Migrationsrat setzt sich jenseits von Merkmalen wie Herkunft, Religion, Geschlecht oder sexueller Orientierung für die völlige rechtliche, soziale und politische Gleichstellung und Teilhabe von Migrant_innen, ihren Nachfahren und anderen People of Color ein. Seit September 2012 koordiniert der Migrationsrat das Projekt Inklusive Communities*. Ein besonderes Anliegen des Projektes ist es, Themen, die sexuelle und geschlechtliche Vielfalt betreffen, in der Arbeit von MSO zu fördern und sichtbar zu machen.

* Finanziert durch die Landesstelle für Gleichbehandlung gegen Diskriminierung.

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