Sie kontrollieren uns, weil wir Schwarz sind II - Prozessauftakt

Berlin, 15.05.2012: Heute sind zahlreiche Prozessbeobachter_innen zur Unterstützung von Talha B.* erschienen. Der Gerichtssaal war überfüllt, zahlreiche Beobachter_innen saßen auf dem Boden oder standen an die Wand gelehnt.

Zwei Polizisten haben Talha B.* wegen Beleidigung angezeigt. In der Anklageverlesung hieß es, Talha B.* hätte sie als Rassisten bezeichnet. Talha B.* bestreitet dies, ihrer Aussage nach habe sie lediglich gesagt „Sie kontrollieren uns, weil wir Schwarz sind“.

Bei der heutigen Verhandlung wurde nur Talha B.* gehört. Sie schildert den Tathergang wie folgt:

Sie fuhr als Beifahrerin mit ihrem Bruder im Auto, ihr zwei Wochen altes Baby saß auf dem Rücksitz, als sie von zwei  Männern, die im Auto neben ihnen fuhren, per Handzeichen dazu aufgefordert wurden anzuhalten. Ihr Bruder kam der Aufforderung nach und parkte das Auto am Straßenrand. Aus dem Auto, das nicht als Polizeifahrzeug gekennzeichnet war, stiegen zwei in Zivil gekleidete Männer aus und forderten den Bruder auf, auszusteigen und sich auszuweisen. Ihr Bruder kam der ersten Aufforderung nach, wollte sich jedoch erst ausweisen, wenn ihm die beiden Männer einen Polizeiausweis vorzeigen. Die beiden Polizisten weigerten sich jedoch der Aufforderung nachzukommen, stattdessen zückte einer der beiden Männer einen Schlagstock und wiederholte mit dem erhobenen Schlagstock immer wieder die Aufforderung, dass sich ihr  Bruder ausweisen solle. Von dem aggressiven Verhalten der beiden Männer alarmiert, stieg  Talha B.* mit ihrem Baby auf dem Arm aus und wollte wissen, was los sei. Als Antwort entgegnete ihr der eine Polizist „Halt die Klappe, du mit deinem Affenbaby“ und der andere sagte „Geh zurück, wo du hergekommen bist“. Talha B.* antwortete nicht auf diese Beleidigung, statt dessen bat sie ihren Bruder den Polizisten mitzuteilen, dass ihr Sohn deutsch ist und fügte hinzu „Ich weiß, was ihr Problem ist, sie kontrollieren uns nur, weil wir Schwarz sind“. Da sich die beiden Männer auch weiterhin weigerten sich auszuweisen, riefen Talha B.* und ihr Bruder die Polizei, die nach ca. 30 Minuten eintrafen. Erst da wiesen sich die in Zivil gekleideten Männer als Polizisten aus.

Durch den lauten Tonfall der Polizisten hatte sich eine Gruppe von ca. 20 Menschen um sie versammelt und die Situation beobachtet. Talha B.* und ihr Bruder hingegen verhielten sich ruhig, denn - wie  Talha B.* aussagte – „als Ausländer wissen wir, dass wir nicht laut mit der Polizei sprechen dürfen“.

Da die Angeklagte zum damaligen Zeitpunkt nur über geringe Deutschkenntnisse verfügte, wollte der Richter von ihr wissen, wie sie die Polizisten verstanden hätte, worauf Talha B.* antwortete: „Als Ausländer kennt man die Bedeutung von „Ausweis bitte“, weil man diese Frage sehr oft zu hören bekommt.“

Zum nächsten Prozesstermin werden Talha B.s* Bruder sowie die beiden Polizisten aussagen.

*anonymisiert

Ansprechpartner_innen:

Biplab Basu
Reach Out/ Ariba e.V. & KOP
Tel.: 030/ 695 683 44
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Angelina Weinbender
Migrationsrat Berlin Brandenburg e. V.
Oranienstr. 34, 10999 Berlin
Tel.: +49(30) 616 587 55
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