Aufruf 23.02.2012 - Gedenkfeier

 

Wir gedenken den Opfern rassistischer Morde!

Wir trauern mit den Angehörigen der Ermordeten

und

wir protestieren gegen den Rassismus in Politik, Alltag und Institutionen!

Kundgebung

am Donnerstag, den 23.2.2012

um 10:30 Uhr (Gedenkminute um 12:00)

Markgrafen/ Ecke „Mohren“straße

Das Bündnis gegen Rassismus ruft zur gemeinsamen Gedenkminute für die Opfer rassistischer Morde auf.

Der ehemalige Bundespräsident, Christian Wulff, lud für den 23. Februar 2012 die Angehörigen der Opfer der NSU-Mordserie zu einer offiziellen Gedenkfeier in das Konzerthaus Berlin ein. Nach seinem Rücktritt übernimmt nun die Bundeskanzlerin, Angela Merkel, die Rolle der Gastgeberin für die Gedenkveranstaltung. Das Bündnis gegen Rassismus betrachtet die Gedenkfeier, welche die Regierung keineswegs aus ihrer Verantwortung entlässt, als unzureichend.

Die Bundeskanzlerin fordert, im Zuge der NSU-Mordserie, das Verbot der NPD. Damit schiebt die Regierung den Alltagsrassismus und institutionellen Rassismus an den rechtsextremen Rand und blendet so den Rassismus als ein gesamtgesellschaftliches Problem aus.

Für uns steht es außer Zweifel, dass staatliche Organe eine klare Mitverantwortung bzw. gar eine Mitschuld an den NSU-Morden und an der politischen Stimmung, die diese Morde ermöglicht haben, tragen. Die Erkenntnisse um die Mordserie, die Verstrickungen der Polizei und des Verfassungsschutzes sowie die Diffamierung und Kriminalisierung der Opfer, unmittelbar nach ihren Ermordungen, verdeutlichen unleugbar, dass wir es in Deutschland mit institutionellem Rassismus zu tun haben. Mit dem Begriff "Döner-Morde" wurden die Morde an Menschen verhöhnt und bagatellisiert. Die Benennung der eingesetzte Sonderkommission für die Ermittlung der Mordserie als „SoKo Bosporus“ verdeutlicht erneut Ressentiments innerhalb bestimmter Institutionen und erweckt zudem den Eindruck, sich mit etwas fern der hiesigen Gesellschaft Entstandenem zu beschäftigen.

People of Color (PoC) machen immer wieder auf rassistische Strukturen im Alltag und in Institutionen aufmerksam. Anhaltende rassistische Erfahrungen in Behörden, Bildungseinrichtungen, auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt sowie in den Medien und im Alltag zeigen, dass diese Stimmen von staatlicher/institutioneller Seite nicht ernst genommen werden. Es ist ein Fakt, dass Menschen aufgrund der ihnen zugeschriebenen „Rasse“, Ethnie, Kultur, Religion, Nationalität und des ihnen zugeschriebenen Geschlechts in Deutschland unterschiedlich behandelt werden. Nicht nur die einzelne Person, die Rassismus gewalttätig ausführt, ist hierbei relevant, sondern auch der strukturelle Rassismus. Der Rassismus in Deutschland ist systemimmanent und kann nur auf vielen gesellschaftlichen Ebenen parallel angegangen werden. Um dies zu bewerkstelligen, muss das Stadium des Leugnens überwunden werden.

Durch den heutigen Staatsakt wird es nicht möglich sein, von den Betroffenen, den Angehörigen der Opfer, letztlich aber allen Menschen mit Migrationshintergrund und allgemein den People of Color Vergebung zu erlangen. Nötig ist eine umfassende Aufklärung der Morde und aller sie begünstigenden Umstände sowie ein aktives Eintreten gegen Rassismus und Diskriminierung im Alltag, in den Institutionen und in der Politik.

Das Bündnis gegen Rassismus fordert, dass Alltagsrassismus und institutioneller Rassismus von der breiten Öffentlichkeit nicht mehr an den rechtsextremen Rand geschoben werden, sondern endlich konsequent bekämpft werden!!!

Daher setzen wir uns ein für:

• Konsequente Ahndung rassistischer Äußerungen und Handlungen!

• Unverzügliche und lückenlose Aufklärung aller rassistischen Morde!

• Ein gleichberechtigtes, selbstbestimmtes und solidarisches Zusammenleben!

• Ein klares NEIN zu Rassismus in Politik, Alltag und Institutionen!

Trauer und Wut in Widerstand wandeln!

 

Aufruf als PDF