KAS "Muslimische Kinder und Jugendliche in Deutschland"

 Berlin 24.10.2011: Stellungnahme des Migrationsrats zum Buch der Konrad Adenauer Stiftung (KAS) „Muslimische Kinder und Jugendliche in Deutschland“

 

Am 27. September 2011 präsentierte die KAS ihr neu erschienenes Buch „Muslimische Kinder und Jugendliche in Deutschland“. „Die Verfasser des Buches möchten“ so heißt es im Vorwort des Buches „Lehrern, Lehrerinnen und pädagogisch Interessierten aufzeigen, wie es zu irritierendem, befremdlichen und sozial unerwünschtem Verhalten kommt, um daraus konkrete Verhaltens- und Handlungsmuster abzuleiten.“

Während also die Schüler_innenbefragung des KFN den Grad der kriminellen Neigungen der „Muslime“ untersucht, bietet das KAS-Buch, unter dem Schlagwort „interkulturelle Kompetenz“, die passende Ausländer- bzw. Muslimpädagogik dazu.

Die Grundannahmen der beiden Studien stimmen überein, auf „Blut und Boden“ beruhende Vorstellungen von Religion und Kultur:

„Es scheint so zu sein, als wären nicht Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund im Allgemeinen eine Zielgruppe, die die pädagogische Arbeit vor besondere Herausforderungen stellt, sondern in besonderem Maße jene Nachkommen der muslimisch geprägten Staaten des Mittel­meerraums. Daher befasst sich der gesamte nachfolgende Text nicht nur mit „muslimischen Jugendlichen in Deutschland”, sondern dabei insbesondere mit türkei- und arabischstämmigen jungen Menschen“ (S. 4)

Die so konstruierte Gruppe wird mit bestimmten Merkmalen bzw. Eigenschaften verknüpft. Dazu gehören Schlagwörter wie Transfährabhängigkeit und Händlertum, traditionell, autoritär, bildungsfern, gewalttätig etc. Dieser schlechten Gruppe wird das Idealbild der „autochthonen Mittelschicht“ gegenüber gestellt: kommunikativ, motiviert und diszipliniert (vgl. S. 6).

Der Schreibeling erklärt dabei die Rückständigkeit der „Muslime“ durch unvermitteltes Hin- und Herspringen zwischen sozialen und kulturellen Erklärungsversuchen, beispielsweise wenn er schreibt:

„Der Anteil der Migrantenkinder, der ohne Hauptschulabschluss das Schulsystem ver­lässt, liegt stabil bei 20 Prozent (vgl. Diefenbach 2008). Diese messbar geringeren Bildungschancen hängen auch damit zusammen, dass Migran­tenfamilien, insbesondere türkisch- und arabischstämmige Familien, die Funktion von Schule nicht richtig einschätzen können.“ (S. 29).

Damit eröffnet er einen Verantwortungsverschiebebahnhof in Sachen Diskriminierung und provoziert geradezu den Fingerzeig auf die diskriminierte Person: du bist selbst schuld/ mit dir stimmt etwas nicht, wenn du diskriminiert wirst.

Aus solch einer Defizit-Perspektive heraus kann sich dann der/die „autochthone Mittelschicht“-Lehrer_in als „Helfer_in eines barbarisch Anderen“ begreifen. Das, als „interkulturelle Kompetenz“ und Anti-Rassismusarbeit zu vermarkten, ist ein Kunstgriff der Beratung.

Das Urteil des Migrationsrats lautet auch hier: Das von der KAS herausgegebene Buch ist in höchstem Maße dazu geeignet, rassistische Weltbilder zu verfestigen. Wer sich bei seinen Handlungen und Entscheidungen darauf bezieht, muss sich bewusst sein, dass er auf rassistischer Grundlage handelt.

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(Das Buch ist in höchstem Maße dazu geeignet, rassistische Weltbilder zu verfestigen. Wer sich bei seinen Handlungen und Entscheidungen darauf bezieht, muss sich bewusst sein, dass er auf rassistischer Grundlage handelt.)