Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe!

Berlin 24.11.2010: Die Darstellung von Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrungen erfolgt in den Medien meist negativ und muss schleunigst geändert werden, wenn man als Mehrheitsgesellschaft eine langfristige Integration anstrebt.

Ein Beispiel: das Interview mit Frau Aygül Özkan (CDU) als Sozialministerin von Niedersachsen auf Bild.de.

Der Migrationsrat möchte dazu folgende Stellungnahme abgeben:

Zuerst soll kritisch hinterfragt werden: Warum ist in einer Einwanderungsgesellschaft wie Deutschland immer noch die Rede von „Ausländer“?

Leben diese Menschen - mit Migrations- und Fluchterfahrungen - nicht seit Jahren in Deutschland? „Ausländer_in“ wurde als Synonym für frühere Gastarbeiter_in benutzt. Heutzutage sind Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland geboren und nicht aus dem Ausland hierher gezogen.

Die Mehrheit der Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrungen lebt seit langem hier und ist ein Teil von dieser Gesellschaft. Diese Realität wird in den Medien immer noch ignoriert, indem man von Einwander_innen redet und dabei den Eindruck erweckt, sie seien mehrheitlich „gestern“ angekommen.

Ein weiterer Aspekt ist, dass die Diskurse um Migration und Integration klischeehafte diskriminierende Bilder reproduzieren, besonders wenn es um die Arbeitsintegration geht.

Fakt ist, dass die Erwerbslosigkeit von Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrungen ein gesellschaftliches und/oder rechtliches Problem ist und kein individuelles.

Interessenterweise werden hoch qualifizierte Menschen mit Migrations- und Flucht-erfahrungen von der Mehrheitsgesellschaft ignoriert. Durch die gesellschaftlichen Strukturen werden die Ungleichheiten sowie Chancenungleichheiten zwischen Menschen mit Migrationshintergrund und „Deutschen“ reproduziert und gesellschaftlich legimitiert. Hierbei handelt es sich um rassistische gesellschaftliche Rahmbedingungen, die in Weißen Medien-Diskursen keine Rolle spielen.

Der Migrationsrat Berlin Brandenburg e.V. fordert die Medienlandschaft auf, sich sprachlich und inhaltlich mit den Zielen der interkulturellen Öffnung auseinanderzusetzen, keine Pauschalisierung und/oder Verallgemeinerung von Gruppen vorzunehmen, und vor allem Diskriminierung in gesellschaftlichen Strukturen aufzuzeigen anstatt diese bestimmten Gruppen anzuhängen.

Ansprechpartnerin: Dr. Fartash Davani

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