Sarrazin unerwünscht! Internationales Literaturfestival sagt Lesung von Thilo Sarrazin ab!

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Berlin, 01.09.2010: Bereits seit Tagen findet man beim Verlag DVA noch auf der Internetseite des Internationalen Literaturfestivals einen Hinweis auf die Lesung mit Thilo Sarrazin in Berlin. Nun ist es offiziell: Nach der Absage durch das Haus der Kulturen der Welt (HWK) hat auch das Internationale Literaturfestival die Lesung mit Thilo Sarrazin abgesagt.

 

Am 25.08.10 hat der Migrationsrat Berlin-Brandenburg in einem offenen Brief gegen die Lesung Thilo Sarrazins im HWK im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals protestiert. Am 26.08. hatte das HKW Sarrazin die Bühne für seine rassistische Hetze entzogen. Die Verantwortlichen des Internationalen Literaturfestivals ziehen trotz anfänglichem Festhalten an der Lesung nun nach. Unseren Protestbrief haben bisher 359 Menschen unterschrieben.

 

„Wir freuen uns und fühlen uns bestätigt durch die Absage der Lesung. Das Internationale Literaturfestival hat viele berühmte Gäste aus dem In- und Ausland und ist ein Renommee in der Literaturszene in der ganzen Welt. Die Lesung hätte diesem Image sehr geschadet. Wir bedanken uns an dieser Stelle ausdrücklich bei allen Unterstützer_innen unseres Protestes“, sagt Nuran Yiğit, Vorstandsmitglied und Sprecherin des Migrationsrats Berlin-Brandenburg.

Festzuhalten sei, dass trotz Absage ein bitterer Nachgeschmack dessen, was Thilo Sarrazin mit seinen verbalen Äußerungen und mit seinem „Buch“ in Deutschland angerichtet habe, bleibt.

„Mit dem rassistischen Flächenbrand haben wir nun alle im Alltag zu kämpfen. Besonders die Hetze gegen Muslime hat für eine Potenzierung bereits existierender Vorbehalte gesorgt. Inwiefern sich dies auch in Taten umwandeln wird, werden wir mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgen. Wir rufen alle Menschen auf, rassistisch diskriminierende Vorfälle, die sie beobachten oder selbst erleben, zu melden. Diese müssen dokumentiert und öffentlich gemacht werden. Auf Bedarf und Wunsch sollten Betroffene an spezialisierte Beratungsstellen begleitet und vermittelt werden“, so Yiğit weiter.

Rassismus und Diskriminierung kann beim Migrationsrat oder anderen professionellen Beratungsstellen wie z.B. dem Antidiskriminierungsnetzwerk Berlin gemeldet werden.

Rückfragen an:

Nuran Yiğit (Vorstand, Sprecherin),

Elena Brandalise (Geschäftskoordination)

Migrationsrat in Berlin-Brandenburg e.V.

Oranienstr. 34, 10999 Berlin

Tel.: +49-30-61658755

Fax: +49-30-6165875